Von Echsen und Ängsten

Von Echsen und Ängsten

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Wenn man ein wenig Schwung in einen etwas langweiligen, gesellschaftlichen Abend bringen möchte, gibt es einige Themen, welche sofort die Gemüter-Temperatur hinaufschnellen lassen: Zum Beispiel Flüchtlinge. Oder Impfungen. Damit kommt gleich Bewegung in die Runde. Oder man spricht am besten über ungeimpfte Flüchtlinge, damit hat man mit ziemlicher Sicherheit den Vogel abgeschossen.

Denn diese beiden Themen treffen uns exakt dort, wo wir mental nicht immer ganz hinkommen, nämlich in einen alten Teil unseres Gehirns, Reptilienhirn genannt.
Sie sprechen gekonnt zwei evolutionsbiologisch alte Ängste an: die Revierangst und die Überlebensangst (wobei bei letzterer nicht ganz klar ist, ob die Impfungen davor schützen oder sie bei einigen erst entfachen, aber das lassen wir jetzt mal).

Diese im Reptilienhirn verankerten Ängste lassen unser freies Denken und Wohlbefinden nicht nur auf die Größe einer überfahrenen Eidechse schrumpfen, sie sind schlichtweg lähmend. Denn das Gefühl der Angst ist ein starkes – spannenderweise egal, ob tatsächlich eine reale Bedrohung da ist, oder einfach zermürbende Gedankenspiralen. Das Reptilienhirn, oder auch Stammhirn, unterscheidet nicht zwischen real oder ausgedacht. Und genau das ist das Problem, denn das Gefühl der Angst erzeugt in Sekundenschnelle die passenden Gedanken dazu. Und in diesem Wirr-Warr ist es noch schwieriger, die realen Ängste von den eingebildeten zu unterscheiden.

Evolution: Priorität Überleben

Das Stammhirn ist der älteste Teil  unseres Gehirns. Quasi der Teil, der eigentlich ein Update bräuchte, aber so cirka seit der Steinzeit die gleichen Funktionsmechanismen hat. Wir sind nun mal noch immer Steinzeitmenschen, wenn auch in manchen Fällen modischer gekleidet. Ob wir uns heutzutage wirklich besser benehmen, sei dahingestellt. Sobald das Reptilienhirn aktiv ist, können wir nicht denken und auch nicht frei entscheiden. Das hat die Evolution eigentlich geschickt eingefädelt. Bevor ich mir darüber Gedanken machen kann, was ich mit meinem Leben so machen möchte, sollte ich erstmal eines tun: Vor dem herannahenden Säbelzahntiger weglaufen. Denn der Evolution ist nicht so wichtig, dass wir glücklich sind, wir sollten vor allem eines sein: am Leben. Nicht, dass Verstorbene nicht glücklich sein können, aber bleiben wir mal bei dem Erdenleben. Wir sind auf Überleben programmiert. Erst, wenn unser Körper die Information erhalten hat, dass wir in Sicherheit sind, können sich andere Bereiche entfalten. Dann können wir in Ruhe nachdenken, nachspüren. Kein Wunder also, dass von jeher die Mächtigen sich der Angst bedient haben. Denn kostengünstiger und effizienter hat man seine Schäfchen kaum unter Kontrolle.

Ist es wirklich gefährlich?

Sind wir im Stress, kann unser Körper mitunter nicht unterscheiden, ob wir uns einfach nur beeilen oder ob wir gerade unter Lebensgefahr vor einem Mammut weglaufen. Oft hilft es, sich in stressigen Situationen einfach nur bewusst zu machen, dass es nicht ums Überleben geht. Dass wir uns zwar gerade beeilen, aber prinzipiell in Sicherheit sind. Dass wir gerade eine wichtige Prüfung haben, aber unser Überleben gesichert ist. Oder wie meine Oma sagte: „Davon geht die Welt auch nicht unter.“ Als eine Frau, die zwei Weltkriege und dann russische Besatzungssoldaten im eigenen Haus hatte, war sie in solchen Angelegenheit durchaus erfahren.

Alte Speicherungen

Wenn unser Körper etwas als bedrohlich erlebt hat, speichert sich diese Information im Nervensystem ein. Und in Verbindung mit den gespeicherten Ur-Ängsten, die dazu in Resonanz gehen, macht sich beim geeigneten Trigger das beängstigende Gefühl nur noch breiter. Und wir fahren auf dem Panik-Autopiloten dahin. Dass muss nicht so bleiben. Oft hilft es, sich nicht vor den Ängsten zu verstecken, sondern sich ihnen zu stellen. Sie durchzuspielen.
Oder seinen Ängsten ein wenig auf den Grund zu gehen, und sie auch energetisch und emotional in der Vergangenheit lassen. Denn oft kommen uns alte Speicherungen in die Quere. Was eine Klientin letztens sehr zum Lachen brachte, als ich ihr sagte: „Wir müssen nur deinem Gehirn sagen, wie alt du wirklich bist.“ Damit ein altes Gefühl in der Schublade „VORBEI“ landet und wir uns ganz auf das Hier und Jetzt konzentrieren können.
Denn sobald das Gefühl der Angst nachlässt, sehen dieselben Gegebenheiten plötzlich ganz anders aus.

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